Head mit Logo
Deutsch | English
AKTUELL
MORBUS BASEDOW
Symptome
Geschichte
Vorkommen
Ursachen
Augenbeteiligung
Therapien
EUGOGO
PUBLIKATIONEN
TEAM
ÄRZTE
LINKS
KONTAKT
AGB



SYMPOSIUM ON TED
ADMEDICO
Augenzentrum AG
Fährweg 10
CH-4600 Olten
beim Kantonsspital
Haus M/Eingang West/1.OG
Tel. +41 62 206 87 37
Fax +41 62 206 87 38
Mail
info@basedow.ch

Behandlungsmöglichkeiten

  1. Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion: Medikamente (Thyreostatika) – Radiojod – chirurgische Schilddrüsenentfernung (Thyroidektomie)

  2. Behandlung der Entzündung: Medikamente – Bestrahlung der Augenhöhlen

  3. Chirurgische Behandlung: Orbitadekompression – Schieloperation – Lidverlängerung – blepharoplastische Operation(en)
Über die Therapie der endokrinen Orbitopathie gibt es unterschiedliche Ansichten. Erstes Ziel ist die Beseitigung der Schilddrüsenüberfunktion. Ob eine vollständige Entfernung der Schilddrüse die endokrine Orbitopathie günstig beeinflusst oder sogar verhindern kann, ist bis heute nicht sicher, obwohl dafür wichtige Indikatoren vorhanden sind. Es gibt Untersuchungen, nach denen durch eine frühzeitige Entfernung der Schilddrüse ein Rückgang der Orbitopathie festgestellt werden konnte. Wird eine Radiojodbehandlung durchgeführt, so sollte diese möglichst unter Kortisonschutz vorgenommen werden, um der Verschlechterung einer endokrinen Orbitopathie oder einer Auslösung der endokrinen Orbitopathie vorzubeugen. Bei einer Radiojodbehandlung ohne Kortisonschutz kommt es bei einem Teil der Patienten zur Aktivitätszunahme der endokrinen Orbitopathie. Die Zahlen über die Häufigkeit einer Verschlechterung der endokrinen Orbitopathie nach Radiojodbehandlung sind sehr unterschiedlich und reichen je nach Literaturquelle von 1–77%. Wichtig ist es, bei der Behandlung darauf zu achten, dass nach Kontrolle der Überfunktion der Schilddrüse durch die Behandlung keine Unterfunktion auftritt. Das durch eine Unterfunktion erhöhte TSH kann die Orbitopathie auslösen oder weiter verschlechtern und die damit zusammenhängenden Beschwerden erheblich verstärken. Insgesamt ist die weitere Entwicklung einer bestehenden endokrinen Orbitopathie schwer vorherzusagen. Die bisher zur Verfügung stehenden Therapien sind allesamt symptomatische Therapien und sind nicht oder nur teilweise zufriedenstellend. Eine kausale Therapie ist auch heute nicht möglich, da die eigentliche Ursache der endokrinen Orbitopathie nach wie vor nicht bekannt ist. Das Grundprinzip der Behandlung lautet zunächst: engmaschige Kontrollen alle 4–6 Wochen. Sobald sich eine Zunahme der Beschwerden und der Symptome zeigt, sollte eine entzündungshemmende Behandlung begonnen werden.


Antiproliferative Bestrahlung der Augenhöhlen
Die Röntgenbestrahlung des Gewebes hinter dem Auge (antiproliferative Bestrahlung) wird heute nicht mehr so oft wie noch vor einigen Jahren durchgeführt. Eine Bestrahlung wird nur im aktiven Stadium der endokrinen Orbitopathie durchgeführt. In früheren Veröffentlichungen wurden Erfolgsraten von 70–80% angegeben. Nach neueren Untersuchungen können diese Erfolgsraten jedoch nicht bestätigt werden. Die Bestrahlung erweist sich nach diesen Untersuchungen offenbar als weitgehend wirkungslos bezüglich Reduktion des Exophthalmus. Eine Bestrahlung wird heute nur noch empfohlen, wenn Doppelbilder oder Augenmuskelfunktionsstörungen vorliegen. In diesen Situationen kann eine Wirkung erwartet werden. Die Bestrahlung sollte in niedrigen Dosierungen und über einen längeren Zeitraum vorgenommen werden. Die häufigsten Behandlungsprotokolle beinhalten eine Bestrahlung mit total 20Gy, welche auf 10 Einzeldosen à 2Gy über 10 Tage verteilt (fraktioniert) werden. Durch weitere Studien zu diesem Thema soll die bestwirksame Strahlendosierung gefunden werden. Dabei werden zur Zeit auch längere Behandlungen mit ebenfalls 20 Gy, fraktioniert à 2 Gy pro Woche über 20 Wochen und Behandlungen mit lediglich 10 Gy fraktioniert à 1Gy pro Tag während 10 Tagen oder während 5 oder 10 Wochen studiert. Zur Zeit liegen dazu jedoch noch keine gesicherten Daten vor. Aus eigenen Untersuchungen zeichnen sich dabei keine signifikanten Unterschiede bei niedrigeren und über einen längeren Zeitraum verteilten Dosen ab. Unsere bisherigen internen Resultate, müssen jedoch noch durch kontrollierte prospektive Studien kontrolliert werden. Mittels Bestrahlung der Augenmuskeln soll es durch Hemmung der Fibroblasten zur Verminderung der entzündlichen Muskelveränderungen kommen. Vor Beginn einer Bestrahlung sollte neben der klinischen Untersuchung mit Bestimmung von CAS (Aktivität) und Schweregrad der endokrinen Orbitopathie eine Kernspintomographie (MRI-STIR) veranlasst werden, um den Grad der Aktivität für den weiteren Verlauf und die Therapiekontrolle festzuhalten. Die Bestrahlung erfolgt dann von den Schläfen her. Dabei wird das hinter dem Auge liegende entzündlich geschwollene Gewebe bestrahlt. Die Strahlenmenge wird auf tägliche kleine Dosen verteilt um den grössten Erfolg zu erzielen. Die Augen selbst werden nicht bestrahlt, sondern zur Schonung bei der Bestrahlung abgedeckt.
In Folge der Bestrahlung können selten Kopfschmerzen auftreten. Häufiger ist eine leichte Rötung der Haut im Strahlenfeld zu beobachten, ähnlich einem leichten Sonnenbrand. Gelegentlich kommt es zunächst zu einer verstärkten Schwellung des Gewebes, die sich dann aber zurückbildet. Entzündungen der Netzhaut sind nur nach hohen Strahlendosen berichtet worden. Zuckerkranke (Diabetiker) und Patienten mit Bluthockdruck mit Netzhautveränderungen sollten nicht bestrahlt werden.


Immunglobuline
Die Behandlung mit hochdosierten Immunglobulinen hat sich nicht als wirksamer als andere Therapieverfahren erwiesen und wird heute aufgrund des möglichen Infektionsrisikos und den hohen Behandlungskosten kaum noch angewendet.


Kortison
Üblicherweise gilt die Behandlung der schweren endokrinen Orbitopathie mit Kortison als Standardtherapie. Die Medikamente können in Tablettenform oder als Infusionen gegeben werden. Dabei scheint die sogenannt gepulste, intravenöse Therapie der oralen Behandlung in Tablettenform überlegen zu sein, da sie einerseits besser wirkt und andererseits besser verträglich scheint, also weniger Nebenwirkungen aufweist (Marcocci et al. 2001). Grosse, multizentrische, prospektive, randomisierte und doppelblinde Studien der EUGOGO-Zentren sollen nun zeigen, welche Dosierung das beste Nutzen-Risikoprofil aufweist. Andere das Immunsystem unterdrückende Medikamente haben sich bisher nur in Einzelfällen als wirksam erwiesen und sind oft auch teurer. Kortison sollte nur bei aktiver endokriner Orbitopathie gegeben werden. Kortison kommt daher bei hervortretenden Augen mit entzündlichen Veränderungen der vorderen Augenabschnitte zum Einsatz. Es kann die Orbitopathie nicht heilen, aber in der Mehrzahl (ca. 60%) der Fälle lindern. Die Dosierung erfolgt individuell nach Schweregrad der Erkrankung. Eine Kombination von Kortison mit dem in der Rheumatherapie eingesetzten Chemotherapeutikum Methotrexat scheint ebenfalls wirksam zu sein. Der Einsatz von Methotrexat erlaubt eine wirksame entzündungshemmende Therapie mit niedrigeren Kortisondosen, falls das Kortison schlecht vertragen wird.


Plasmapherese
Bei der Plasmapherese handelt es sich um ein sehr aufwendiges und teures Verfahren, bei dem die Antikörper aus dem Blut gefiltert werden. Eine Sonderform der Plasmapherese, die sogenannte Immunabsorption, ist schweren Fällen vorbehalten und wird heute nur noch selten und nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt.


Octreotid / Somatostatine (Hemmer des Wachstumshormons)
Eine neue Behandlungsmethode mit Medikamenten wird zurzeit unter Studienbedingungen an An verschiedenen Zentren eingesetzt (Universität Lion, Amsterdam, Marburg). Als Medikament wird langsamwirksames Octreotid gegeben. Octreotid hemmt die Bildung des Wachstumshormons und IGF-1. Daneben hat es vielfältige günstige Effekte auf den Entzündungsprozess in den Augenhöhlengeweben. Die Therapie hat, von leichten Veränderungen des Stuhlganges abgesehen, keine Nebenwirkungen. Octreotid ist für die Behandlung der endokrinen Orbitopathie ausserhalb von Studien noch nicht zugelassen. Um den Erfolg der Octreotidbehandlung einschätzen zu können, müssen die Ergebnisse der laufenden und noch geplanten Studien abgewartet werden. Neue Erkenntnisse zur Behandlung der EO mit Octreotid / Statinen werden an dieser Stelle ergänzt, wenn die Studienergebnisse vorliegen.


Methotrexat
Das auch in der Behandlung von anderen autoimmunen Krankheiten (Rheuma, Lupus Erythematodes) eingesetzte Medikament Methotrexat scheint bei schweren Formen der endokrinen Orbitopathie gute Erfolge zu zeigen. Methotrexat hemmt unspezifisch das Immunsystem und unterdrückt unter anderem die Antikörperproduktion. In hohen Dosierungen wird es zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt. Methotrexat wird zur Behandlung der endokrinen Orbitopathie in niedriger Dosierung angewandt und ist in dieser Form kein «Krebsmittel». Auf mögliche Nebenwirkungen muss geachtet werden. Regelmässige Blutbildkontrollen sowie Kontrollen der Leber-und Nierenwerte sind erforderlich. Alkohol sollte während der Einnahme gemieden werden. Unter einer Methotrexat Behandlung müssen Schwangerschaften zuverlässig verhütet werden, da sonst bei einer Schwangerschaft kindliche Missbildungen auftreten können. Weitere Untersuchungen müssen auch bei dieser Therapieform noch abgewartet werden.


Antioxidantien
Im Rahmen des Immunprozesses werden zahlreiche entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt, die zur Stimulation und Schwellung des betroffenen Gewebes führen. In den Augenhöhlen kommt es zu Entzündung, Lidschwellung, Brennen, Druckgefühl, Tränen, Blendungsempfindlichkeit, Hervortreten der Augäpfel, Störungen der Augenbeweglichkeit bis hin zu Doppelbildern. Durch den Entzündungsprozess wird die Neubildung von Fettzellen angeregt, die dann immer mehr Antigene hervorbringen. So wird einerseits der Immunprozess verstärkt, andererseits die Platznot in den Augenhöhlen immer schlimmer, weil neue Fettzellen nachdrängen und die Blutversorgung und der Blutabfluss aus den Augenhöhlen sich verschlechtern. So kommt es zu einer kritisch schlechten Sauerstoffversorgung in den Augenhöhlen, was die Bildung sogenannt freier Sauerstoffradikale anregt. Dies sind hochreaktive Produkte, die zur Schädigung von Zellmembranen, Zellfunktionen und des zellulären Erbgutes führen. Rauchen verschlimmert die Entzündung und Fettgewebsneubildung in den Augenhöhlen, wobei nicht das Nikotin schädigt, sondern die beim Rauchen freiwerdenden oxidativen Verbindungen, also freie Sauerstoffradikale und andere prooxidative Verbindungen.
Kommt der Entzündungsprozess (durch Spontanheilung oder geeignete Therapiemassnahmen) nicht rechtzeitig zum Stillstand, resultieren schlimmstenfalls ein weiteres Vortreten der Augäpfel, Hornhautverletzungen und Druckschäden am Sehnerven. Später kommt es zu narbigen Umbauprozessen im Binde- und Fettgewebe in den Augenhöhlen sowie in den Augenmuskeln, was chronische Funktionseinbussen insbesondere der Augenmuskelbeweglichkeit zur Folge hat. Ein entscheidendes Behandlungsziel ist es deshalb, den Entzündungsprozess in den Augenhöhlen möglichst frühzeitig, rasch und effektiv zum Stillstand zu bringen, bevor nicht mehr umkehrbare Veränderungen eingetreten sind. Zahlreiche Forschungsarbeiten und Erkenntnisse der letzten Jahre zeigen, dass freie Radikale und oxidative Prozesse den Immunprozess in der Schilddrüse und in den Augenhöhlen anheizen und für einen wesentlichen Teil der Schädigung in den Augenhöhlen verantwortlich sind. Sowohl Experimente an Zellkulturen, in Tiermodellen, aber auch klinische Untersuchungen am Menschen und bei Patienten mit aktiver endokriner Orbitopathie konnten bereits konkrete Hinweise für den Nutzen dieses Konzeptes liefern. Diese Erkenntnisse wurden nun auch in eine neue Therapiemöglichkeit umgesetzt, die derzeit in kontrollierten Studien überprüft wird. Das neue Therapieprinzip besteht in der hochdosierten Zufuhr bestimmter Antioxidantien, um die Schutzsysteme gegen Radikalschäden möglichst gut aufzubauen und die körpereigenen Verteidigungsmechanismen maximal zu unterstützen. Zu den wichtigsten antioxidativen Substanzen zählen Vitamine (C, E, B, Betacarotin), Extrakte aus Traubenschalen und bunten Gemüsen, Selen, Pentoxiphyllin, Alpha-Liponsäure, N-Acetyl-Cystein, Nicotinamid, Bioflavonoide und Omega-3-Fettsäuren (Lachsöl). Durch hochdosierte Kombination dieser gemeinsam wirkenden, natürlichen Substanzen soll der Entzündungsprozess abgeschwächt-, die Fettgewebsneubildung gehemmt- und die gestörte Immunbalance wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Vorläufig muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass ein gesicherter Wirksamkeitsnachweis von Vitamin-/Antioxidantienpräparaten in Form kontrollierter klinischer Studien bislang noch nicht vorliegt. Solche Studien zu deren Wirksamkeit werden zurzeit in den EUGOGO-Zentren durchgeführt. Angesichts der begrenzten Behandlungsalternativen, der bislang problemlosen Verträglichkeit, des geringen Nebenwirkungswahrscheinlichkeit und der bisherigen positiven Therapieerfahrungen sind derartige Präparate für Patienten mit endokriner Orbitopathie als unterstützende Therapiemassnahme ein möglicher sinnvoller Behandlungsansatz.


Operation(en)
Ganz am Anfang jeder chirurgischen Behandlung einer endokrinen Orbitopathie steht die Information der Betroffenen über die chirurgischen Möglichkeiten und den damit verbundenen bevorstehenden Weg. Vor allem aber braucht es zwingend ein rehabilitatives Konzept. Als allererstes muss unterschieden werden zwischen der funktionellen und der rehabilitativen Chirurgie. Dies ist absolute Voraussetzung einer funktionell und kosmetisch befriedigenden Rehabilitation der Betroffenen. Ein rehabilitativer Eingriff sollte nie im aktiven Stadium der endokrinen Orbitopathie durchgeführt werden. Bei der chirurgischen Rehabilitation geht ja um nichts weniger als um die funktionelle Wiederherstellung der visuellen Funktionen und des ästhetischen Gesichtsausdrucks vor Ausbruch der Erkrankung. Dazu braucht es Zeit und stabile Verhältnisse. Abkürzungen und wundersame Allzweckoperationen sind nicht nur unmöglich, sondern gefährden den definitiven Erfolg. Die Behandlung der endokrinen Orbitopathie ist möglich. Das Ziel der Behandlung ist die möglichst vollständige Wiederherstellung der Funktione und des Aussehens wie vor Beginn der Krankheit. Der Weg dahin ist jedoch lang und braucht viel Geduld. In der Regel beträgt die Krankheitsdauer bei M.Basedow ca. 3-5 Jahre. Zudem erfordert eine erfolgreiche Behandlung und Rehabilitation von Basedow-PatientInnen eine enge, multidisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, dem Endokrinologen (Schilddrüsenspezialist) und dem Orbitologen(= Augenarzt mit spezieller Ausbildung in der Behandlung von Erkrankungen der Augenhöhle).

In Zusammenarbeit mit dem Endokrinologen muss zuerst die Schilddrüsenfunktion normalisiert werden. Der Orbitologe (spezialisierter Augenarzt) wacht darüber, dass das Augenlicht nicht gefährdet wird und sorgt dafür, dass die Entzündung in den Augenhöhlen abheilt und ruhig bleibt. Dazu stehen ihm verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung wie regelmässige Prüfung der Sehleistung, klinische Untersuchung des Auges mit einem speziellen Mikroskop und dem Hertelmeter, Augendruckmessung, Gesichtsfelduntersuchung, Farbsinnuntersuchung, Ultraschall, Computer-Tomografie (CT), Kernspintomografie (MRI), elektrophysiologische Untersuchungsmethoden (VEP = Visuell Evozierte Potentiale).

Der erste und wichtigste Schritt ist die Behandlung der Entzündung in den Augenhöhlen. Je früher und je konsequenter diese behandelt wird, desto grösser ist die Aussicht auf Erfolg in der Gesamtbehandlung der EO. Bei Zeichen einer aktiven Entzündung in den Augenhöhlen kann versucht werden mit Medikamenten (Steroide) die Entzündung zum Abklingen zu bringen. Gelingt dies nicht, oder werden diese Medikamente nicht vertragen, kann das entzündete Gewebe in den Augenhöhlen bestrahlt werden. Die dabei verwendeten Dosen sind sehr niedrig und weit unter denen, die in der Krebsbehandlung benötigt werden. Nebenwirkungen wurden bisher keine beobachtet, abgesehen von einer leichten Rötung der Haut im Bestrahlungsfeld, vergleichbar mit einem geringen Sonnenbrand. Nicht alle Patienten und Patientinnen sind für eine Bestrahlung geeignet. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. dem Stadium der Erkrankung. Ob eine Bestrahlung sinnvoll ist, muss immer im Einzelfall zwischen dem Hausarzt, dem Orbitologen, dem Strahlentherapeuten und dem Endokrinologen besprochen werden. Die verschiedenen Therapiemöglichkeiten können dabei auch miteinander kombiniert werden.

Ist während mindestens 6 Monaten die Schilddrüsenfunktion normalisiert und sind keine Entzündungszeichen mehr vorhanden, kann die chirurgische Behandlung beginnen. Diese besteht meist aus mehreren Schritten: In einem ersten Schritt müssen die Augen wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückgesetzt werden. Dazu muss in den Augenhöhlen mittels einer sogenannten Dekompressionsoperation oder besser «Platz-schaffenden-Operation» (Orbitaerweiterung) Platz geschaffen werden. Es kann dabei entweder Fettgewebe aus den Augenhöhlen entfernt werden, oder es können Teile der knöchernen Augenhöhlenwände entfernt werden, um mehr Platz für das vermehrte Gewebe zu schaffen. Dazu gibt es verschiedene Techniken. Welche Technik im Einzelfall zur Anwendung kommt, ist von den Umständen abhängig und muss vom Orbitologen aufgrund des Krankheitsverlaufs und der vorliegenden Befunde entschieden werden. Diese «Platz-schaffende-Operation» ist ein grosser Eingriff in Narkose und dauert in der Regel ca. 2–3 Stunden. Nach diesem grossen aber zwingend notwendigen Schritt kann es sein, dass Doppelbilder auftreten oder schon vor der Operation vorhandene Doppelbilder verstärkt werden, da die Stellung der Augäpfel in den Augenhöhlen verändert und daher das Muskelgleichgewicht gestört wird.

Bei der chirurgischen Therapie der endokrinen Orbitopathie ist auch zu unterscheiden zwischen einer Notfalloperation bei drohendem Sehverlust und einem rehabilitativen Eingriff zur Wiederherstellung der ursprünglichen Situation vor Beginn der Erkrankung. Bei schwereren Verläufen der endokrinen Orbitopathie ist die Operation oft zwingend, besonders dann, wenn der Sehnerv durch das geschwollene Gewebe in der Augenhöhlenspitze erdrückt (komprimiert) wird und eine mittelbare oder gar unmittelbare Erblindung droht. Ist der Sehnerv durch die Schwellung des Gewebes gefährdet, muss durch eine rasche Operation eine Druckentlastung (orbitale Dekompression) vorgenommen werden. Eine solche Operation kann ebenfalls erforderlich werden, wenn der Lidschluss über den hervorgetretenen Augen nicht mehr möglich ist und die Hornhaut der Augen bedroht ist. Durch die ungenügende Benetzung, kann die Hornhaut sich entzünden, was ebenfalls zum Verlust des Augenlichtes oder gar des Organes selbst führen kann. Diese «Platz-schaffende-Operationen» können nur in dafür spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Bei der knöchernden Erweiterung der Augenhöhle wird eine Öffnung der Augenhöhle zu den Nasennebenhöhlen geschaffen. Überflüssiges, geschwollenes Gewebe kann sich dann dorthin ausdehnen, ohne das Auge zu sehr aus der Augenhöhle zu drängen. Dadurch sinkt der Druck in der Augenhöhle und der Sehnerv wird entlastet. Es gibt mehrere Möglichkeiten der knöchernen Orbitaerweiterung. Je nach Ausmass des Exophthalmus kann dabei ein entsprechender Anteil der knöchernen Augenwände über einen geeigneten chirurgischen Zugang entfernt werden. Je besser sich das Gewebe in den Augenhöhlen in die neu geschaffenen Räume ausdehnen kann, desto besser und weiter kann der Augapfel wieder an seinen ursprünglichen anatomischen Platz zurückweichen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere funktionelle und ästhetische Rehabilitation, da unbedingt versucht werden muss, nahezu physiologische biomechanische Verhältnisse zu schaffen. Die heutigen Operationstechniken sind sehr vielseitig und erlauben ein meist schonendes Vorgehen, müssen aber meist in Narkose durchgeführt werden. Die von gewissen Autoren kommerziell propagierte Dekompression der Orbitae durch radikale Fettgewebsentfernung ist nach wie vor umstritten. Die jeweils angeführten Resultate konnten nicht durch verschiedene, auch erfahrene Operateure reproduziert werden. Der Grund dürfte einerseits in der hochspezialisierten Anatomie des orbitalen Fettgewebes und der darin eingebetteten Strukturen liegen. Andererseits könnten auch methodische Unterschiede zur Erklärung beitragen.


Operation an den Augenmuskeln im Falle von Doppelbildern (Diplopie)
Frühestens 6 Monate nach der Operation zur Erweiterung der Augenhöhlen und deren vollständigem Abheilen, werden bei Vorliegen von Doppelbildern in einem zweiten Schritt die Augen mit einer Schieloperation wieder parallel gestellt. Diese Operation kann sowohl in Narkose, wie auch in lokaler Betäubung erfolgen und dauert in der Regel selten länger als 45 Minuten. Auch in diesem Fall sollte keine entzündliche Aktivität der endokrinen Orbitopathie mehr vorliegen. Eine Operation sollte niemals bei aktiver Entzündung erfolgen, sondern erst in einem späteren inaktivem Krankheitsstadium. Der Grund dafür liegt hauptsächlich darin, dass sich das Operationsergebnis durch die Entzündung wieder verändern könnte und somit der erfolgte Eingriff nutzlos werden würde.


Korrekturoperationen an den Augenlidern
Im letzten Schritt müssen oft noch die Augenlider verlängert werden. Diese sind krankheitsbedingt «verkürzt» und bedecken die Augen nicht mehr vollständig, sodass das «Augenweiss» (Sklera) deutlich sichtbar wird und entstellend wirkt. Ohne diese Korrektur ist der Gesichtsausdruck immer noch stark verändert und die Augen scheinen immer noch aus den Augenhöhlen hervorzustechen (stechender Blick). Zudem besteht aufgrund der retraktionsbedingt vergrösserten Augenoberfläche eine vermehrte Verdunstung der Tränenflüssigkeit und daher oft ein trockenes Auge. Die Verlängerung der Augenlider lindert die damit verbundenen Beschwerden, vermindert die Gefahr einer irreversiblen Schädigung der Hornhaut durch die Austrocknung und verschafft dem Gesicht das ursprüngliche Aussehen wieder. Lidkorrekturen erfolgen wenn immer möglich beidseitig gleichzeitig. In Einzelfällen können alle vier Lider in einer Sitzung operiert werden. Meist sind jedoch zwei Sitzungen nötig, da die Dosierung der Verlängerungsstrecke von der Position der gegenüberliegenden Lider abhängig gemacht werden muss. Nach der erfolgreichen Lidverlängerung hat das Gesicht das ursprüngliche Aussehen und damit die ursprüngliche Identität wiedererhalten und die eigentliche, rehabilitative Behandlung ist nach eventuell noch notwendigen wiederherstellenden Korrekturen des äusserlichen Aussehens der Lider (Blepharoplastik) somit abgeschlossen. Regelmässige augenärztliche Kontrollen, sowie Kontrollen beim Hausarzt zur Überwachung der Stoffwechsellage der Schilddrüse müssen jedoch lebenslänglich weitergeführt werden.


Fettentfernung aus den Augenlidern
Sind die Augenlider störend geschwollen, kann operativ aus Ober- und Unterlidern Fett entfernt werden. Diese Operation kann an spezialisierten Zentren mit gutem Ergebnis durchgeführt werden. Auch hier gilt: Die Operation sollte möglichst erst nach Abklingen der entzündlichen Aktivität der EO und durch einen erfahrenen und in der Behandlung der EO spezialisierten Augenarzt durchgeführt werden.