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Tel. +41 62 206 87 37
Fax +41 62 206 87 38
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Medikamentöse Therapie

Bei dieser Form der Therapie wird durch Medikamente (Thyreostatika) die übermässige Hormonproduktion der Schilddrüse unterdrückt. Die Dauer der thyreostatischen Behandlung beträgt in der Regel 12 bis 18 Monate, kann im Einzelfall aber auch weniger lange oder länger durchgeführt werden. Längere Behandlungszeiten als zwei Jahre sind jedoch nicht sinnvoll. Kürzere Behandlungszeiten als sechs Monate führen zu häufigen Krankheitsrückfällen. Die medikamentöse Therapie des M.Basedow sollte in der niedrigst möglichen Dosierung durchgeführt werden, die in der Lage ist, die übermässige Hormonproduktion zu stoppen. Die in verschiedenen Untersuchungen verabreichten höheren Dosierungen konnten die Ergebnisse nicht weiter verbessern. Begleitend zur Behandlung mit Thyreostatika werden oft auch sogenannte Beta-Blocker verordnet. Beta-Blocker verlangsamen den beschleunigten Herzschlag und senken gegebenenfalls den erhöhten Blutdruck. Zusätzlich können sie auch Angst, Nervosität und das Zittern der Hände etwas dämpfen. Sobald die Schilddrüsenwerte in den Normbereich gesenkt sind, können die Beta-Blocker wieder abgesetzt werden.

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass niedrig normale TSH-Spiegel den Autoimmunprozess günstig beeinflussen können. Unter der Behandlung mit Thyreostatika sollte der TSH-Spiegel deshalb nicht erhöht sein. Hohe TSH-Spiegel können sich ausserdem ungünstig auf eine bestehende Augenerkrankung (endokrine Orbitopathie) auswirken oder könnten diese, wenn sie noch nicht besteht, auslösen und in Gang bringen. Gelegentlich kann die medikamentöse Behandlung mit Thyreostatika mit der Gabe von Schilddrüsenhormon (z.B. Levothyroxin) kombiniert werden. Eine Verbesserung des Verlaufs wird dadurch zwar nicht erreicht, aber manchmal gelingt es damit eine stabilere Einstellung der normalen Schilddrüsenfunktion zu erzielen. Sinken die TSH-Antikörperspiegel (TRAK; TSI) innerhalb eines Jahres unter Behandlung mit Thyreostatika nicht ab, muss mit einem erneuten Auftreten der Krankheit gerechnet werden.


Ziel der medikamentösen Therapie
  1. Die Menge der gebildeten Schilddrüsenhormone soll in den Normalbereich gebracht werden.
  2. Unter Einwirkung der Medikamente soll die spontane Rückbildung der Krankheit erleichtert werden.
Die Langzeitresultate der medikamentösen Therapie sind nicht befriedigend. Die Anzahl der Krankheitsrückfälle liegt mit 50% relativ hoch. Einige Untersuchungen geben sogar noch höhere Rückfallquoten an. Besonders bei Kindern und Jugendlichen sind die Rückfallquoten sehr hoch (60–80%). Über die Langzeitprognose nach medikamentöser Therapie können keine zuverlässigen Aussagen gemacht werden. Ist es nach einer medikamentösen Therapie zu einem Rückfall gekommen, sind die Chancen, mit einer zweiten medikamentösen Behandlung eine Heilung herbeizuführen kleiner als 20%.


Welche schilddrüsenhemmenden Medikamente (Thyreostatika) gibt es?

Thiamazol

Tapazole® 1 Tbl. enthält 5mg Methimazol

Carbimazol
Néo-Mercazole® 1 Tbl. enthält 5mg Carbimazol

Propylthiouracil (PTU)
Propyl-Thiouracil® 1 Tbl. enthält 50mg Propylthiouracilum

Pflanzliche Thyreostatika (in der Schweiz z.T. gar nicht oder nur in Deutschland erhältlich)
Lycoaktin M®
Prothyrysat Bürger Lösung®
Thyreogutt mono Tabletten/ -Tropfen®
Thyreo-loges N®

Die pflanzlichen Medikamente sind allenfalls bei leichten Schilddrüsenfehlfunktionen nützlich. Die Behandlung des M.Basedow sollte nicht mit pflanzlichen Thyreostatika durchgeführt werden. Auf jeden Fall gehört eine Schilddrüsenerkrankung und deren Behandlung in ärztliche Kontrolle. Eine unkontrollierte Behandlung kann zu einer schweren und lebensgefährlichen Vergiftung mit Schilddrüsenhormonen (Thyreotoxikose) führen.

Unter medikamentöser Therapie sollten die Schilddrüsenwerte (fT3 / fT4 / TSH) zunächst in Abständen von 2 bis 4 Wochen kontrolliert werden. Nach Erreichen einer stabilen und kontrollierten Stoffwechsellage können die Kontrollabstände auf 6 bis 8 oder gar 12 Wochen verlängert werden. Wichtig ist die Kontrolle der weissen Blutkörperchen, die durch Thyreostatika vermindert werden können. Sehr selten (in ca. 0.18% aller Behandlungen) tritt eine schwere und lebensbedrohliche Verminderung aller Blutzellen auf. Diese sogenannte Agranulozytose kommt jedoch meist nur innerhalb der ersten 10 Wochen der Behandlung vor. Sie kann sich durch Aphthen oder kleinere Geschwüre im Mund und durch Fieber, Schüttelfrost oder Infektionen ankündigen.


Für wen ist die medikamentöse Therapie geeignet?
Alle Patientinnen und Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion müssen in der Regel zunächst mit einem Thyreostatikum behandelt werden. Auf längere Sicht ist die Behandlung mit Thyreostatika für Schilddrüsenüberfunktionen ohne Vergrösserung der Schilddrüse oder mit nur geringer Vergrösserung der Schilddrüse geeignet.


Für wen ist die medikamentöse Therapie nicht geeignet?
Nicht geeignet ist die Behandlung bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor, bei starker Vergrösserung der Schilddrüse (Kropf, Struma) ganz besonders bei Verdrängung des umgebenden Gewebes (Luftröhre) und bei Medikamentenunverträglichkeit. Ebenfalls ungeeignet ist die medikamentöse Therapie, wenn grosse Mengen von Thyreostatika notwendig sind, um die Konzentration der Schilddrüsenhormone in den Normbereich zu bringen. Wenig geeignet ist die längerfristige Behandlung mit Thyreostatika auch bei von Anfang an bestehenden hohen Antikörperspiegeln. Hier müssen jedoch neue Forschungsergebnisse abgewartet werden. Bei PatientInnen mit ausgeprägter Augenbeteiligung (endokriner Orbitopathie) kann die Operation im Hinblick auf die Augenerkrankung bessere Ergebnisse bringen. Nicht geeignet ist die erneute medikamentöse Behandlung auch, wenn nach einer Behandlung mit Thyreostatika ein Rückfall der Schilddrüsenüberfunktion aufgetreten ist. Hier sollte eine definitive Behandlung mittels Operation oder Radiojodtherapie angestrebt werden. Die thyreostatische Behandlung bei jungen Frauen mit Kinderwunsch muss sehr genau überlegt werden, da bei einem Krankheitsrückfall während der Schwangerschaft Probleme auftreten und TSH-Rezeptorantikörper (TRAK / TSI) auf das Kind übertragen werden können.


Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie
Bei der Behandlung mit Thyreostatika können wie bei jeder anderen medikamentösen Behandlung einer Krankheit Nebenwirkungen auftreten. Dies sollte aber nicht vor einer Behandlung abschrecken, da die meisten Patientinnen und Patienten die Einnahme von Thyreostatika gut vertragen oder nur geringe und/oder erträgliche Nebenwirkungen verspüren. In jedem Fall ist eine Behandlung des M.Basedow mit Thyreostatika bei Auftreten von Nebenwirkungen einer Güterabwägung zu unterwerfen. Dabei müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte Nutzen und Risiken sorgfältig gegeneinander abwägen und miteinander besprechen. Schwere Nebenwirkungen wie die Verminderung der weissen Blutzellen (Leukopenie) oder aller Blutzellen (Agranulozytose) sind selten, aber gefährlich. Bei unklarem Fieber, offenen Stellen im Mund oder sonst unklaren Beschwerden sollte deshalb immer ein Arzt aufgesucht und ein Blutbild veranlasst werden.

Unter Thyreostatika kann es auch zur Entwicklung einer Schilddrüsenvergrösserung kommen. Hier kann sich, wenn eine Unterfunktion der Schilddrüse Ursache der Vergrösserung ist, eine Kombination mit L-Thyroxin (Euthyroxâ; Eltroxinâ) günstig auswirken. Haarausfall, ein Symptom das beim M.Basedow nicht selten auftritt, kann gelegentlich erst unter der Behandlung mit Thyreostatika auftreten. Häufige Nebenwirkungen der Thyreostatika sind allergische Hautausschläge und Juckreiz (Pruritus). Die Intensität der Beschwerden ist sehr unterschiedlich, kann aber im Extremfall sogar einen Behandlungsabbruch erzwingen. Weitere häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen. Eher selten werden hingegen Magen-Darm-Probleme angegeben. Gelegentlich treten auch Gelenks- und Muskelschmerzen auf. Eine Unterscheidung zwischen krankheitsbedingten Gelenksschmerzen und Gelenksschmerzen als Nebenwirkung der Thyreostatika ist jedoch meist schwierig. Gelegentlich wird auch über Geschmacksstörungen und Entzündungen im Mundbereich unter Einnahme von Thyreostatika berichtet. Sehr selten sind Leberschäden. Eine Kontrolle der Leberfunktionswerte (AST / ALT / GGT / alkalische Phosphatase) gehört deshalb zum Laborkontrollprogramm beim behandelnden Arzt. Wenn bei Beginn der Behandlung eine höhere Thyreostatikadosis erforderlich ist, können eventuell auftretende Nebenwirkungen nach Reduktion der Medikamentendosis wieder abklingen.


Medikamentöse Behandlung in der Schwangerschaft
Tritt ein M.Basedow bei bereits bestehender Schwangerschaft auf, so kann die Schilddrüsenüberfunktion mit Thyreostatika (meistens PTU®) behandelt werden. Bei sehr hoher Dosierung können diese Medikamente beim Kind eine Unterfunktion der Schilddrüse verursachen. Diese besteht aber nur vorübergehend. Die Thyreostatika haben im Gegensatz zu früheren Annahmen in normaler Dosierung keinen negativen Einfluss auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Die beobachteten Fehlbildungen und Fehlgeburten sind nach wissenschaftlichen Untersuchungen auf eine mütterliche Schilddrüsenüberfunktion zurückzuführen und nicht auf die Thyreostatika. Wird eine schwangere Frau mit Thyreostatika behandelt, sollten die mütterlichen Blutwerte und die kindlichen Herzaktionen regelmässig überwacht werden. Solange die mütterlichen Schilddrüsenhormonwerte in den Normalbereich gesenkt werden können, sind die Aussichten auf einen unproblematischen Verlauf und guten Ausgang der Schwangerschaft sehr gut. Dennoch gilt jede Schwangerschaft bei einer Basedowpatientin als Risikoschwangerschaft, die von einem erfahrenen Endokrinologen in enger Zusammenarbeit mit dem Frauenarzt überwacht werden sollte.

Für die stillende Mutter und den Säugling gelten folgende Thyreostatikamengen als unbedenklich:
  • <10-15mg Thiamazol (Tapazole®) pro Tag oder
  • <15-20mg Carbimazol (Néo-Mercazole®) pro Tag oder
  • <100-150mg Propyl-Thiouracil (PTU®) pro Tag
Die Schilddrüsenhormonwerte (fT3 / fT4 / TSH) und die weissen Blutkörperchen (Leukozyten) beim Säugling sollten während der Stillzeit regelmässig kontrolliert werden, wenn eine Thyreostatikabehandlung der stillenden Mutter erforderlich ist.